Berührte Haut erinnert sich.

Ich habe seit langer Zeit mal wieder einen Film gesehen, der mir wirklich, wirklich gut gefallen hat. Mein Kopf fühlt sich an, als hätte ich Pride and Prejudice mehrmals hintereinander gelesen. Ein bisschen wie in Watte gepackt und von Emotionen umschlossen. Meine Augen sind so verräterisch wässrig und meiner Kehle entschlüpfen Seufzer, die so nicht gewollt sind.

Es war Bright Star, der mein Innerstes gerade ein wenig erweicht hat. Ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse. Eigentlich wollte ich nur ein wenig Unterhaltung und konnte mich für keine Serie entscheiden, die ich beginnen möchte. Und nun sitze ich hier, wie ein Häufchen Elend, wünsche mich in eine andere Zeit, leide mit Fanny und schwärme ein wenig für die Poesie von Keats.

 I almost wish we were butterflies and liv’d but three summer days – three such days with you I could fill with more delight than fifty common years could ever contain

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Fingerspitzenworte

Einer der Gründe, warum ich nicht mehr geschrieben haben, war, dass ich nicht ehrlich sein konnte. Zu euch und zu mir. Und dass das Schreiben nicht mehr erfüllend war, sondern eher eine Aufgabe, die erledigt werden musste. Ich habe bestimmte Themen weggelassen, weil ich der Meinung war, dass sie niemanden interessieren oder ich teils vielleicht auch den Eindruck erweckt hätte, dass ich nur rumheule. Aber das ist so falsch und das ist mir jetzt klar. Es geht doch eigentlich nicht darum, was ihr hören wollt, sondern darum, was ich sagen möchte. Das hier ist meine Geschichte. Und wenn mir tausende Wörter über meinen Job durch die Fingerspitzen gleiten und tausend weitere von Einsamkeit geprägt sind, dann ist das immer noch völlig okay. Solange es sich nur für mich richtig anfühlt.
Erzählen ohne Druck ist so viel schöner. Fast so schön wie ins Bett fallen nach einem Tag wie diesem.

Perfektion

Doch es gab diese Momente der Perfektion und dann fühlte es sich an, als würde sich alles lohnen. Der Schmerz, die Einsamkeit. Als ob jemand sagte: „Mach weiter. Das ist der Gewinn, wenn du dir heute keine Kugel in den Kopf jagst.“ Und man machte weiter. Ließ sich die Scheiße aus dem Leib prügeln und hoffte, dass der nächste perfekte Moment schnell kommen würde. 

goodbye my ease of mind

Ich bin wieder da, und ich komme mit einem Lächeln im Gesicht zurück, das mir bis zu den Augen reicht. Danke für die schönste Zeit, danke mein Ruhepolmädchen. Den Rest des Weges schaffe ich allein.
Mit Erinnerungen und einem schweren Herzen voller Gefühl, dessen Fülle aber keine Negativität mehr beinhaltet. Trauer fühlt sich doch immer schwerwiegender an, als Glück.

Ich kann jetzt wieder frei atmen. Du wirst mir wahrscheinlich immer fehlen, aber ich brauche dich nicht mehr. Das ist das schönste an der Zeit. Sie heilt wirklich. Es stimmt.
Ich hab genug getrauert. Dafür fehlt mir einfach die Zeit.  Ich bin jetzt allein, aber das ist gut so.
Ich werde nie wieder Monate mit Trauern verbringen. Es gibt so viel mehr dort draußen. Ich zieh das auch allein durch.
I’ll be the last one standing.

 

Pirouetten

Es ist ein bisschen, wie jemanden anhimmeln, der einem Glut aus der Hölle als Geschenk mitbringt. Und dich dann damit abwirft. Und lacht. Weil es ihm Spaß macht.

Und du putzt sie dir schlicht säuberlich von deinem Körper und stehst drüber. Obgleich du weißt, dass deine Haut Verbrennungen dieser Berührung davontragen wird. Obgleich du Schmerzen hast.

Ganz ehrlich, ich fühl mich ein bisschen, als würde ich am Rande des Abgrunds balancieren. Im High Heels. Und dabei noch Pirouetten drehen.

 

Ich hab ein paar Mails bekommen, ob alles okay ist, weil ich nicht mehr schreibe.
Ihr seid süß. Echt. Hab mich gefreut. Eigentlich wollte ich euch deswegen schreiben, dass alles in Ordnung ist, solange ich Musik poste. Weil das bedeutet, dass ich Musik höre.
Dass alles in Ordnung ist, wenn ich Musik höre. Aber das ist gelogen. Es ist absolut nicht alles in Ordnung. Neverever. Aber ich weiß, solange ich noch Musik höre, kann alles wieder gut werden und ich bin nicht abgerutscht.

Muss mich ablenken. Ich krieg kaum noch Luft. Das ist wirklich schlimm. Mein Herz fühlt sich beim Atmen an, als würde es zerbersten. Das tut so weh. Meine Brust schmerzt so. Als ich das das letzte Mal hatte, landete ich auf der ITS. Ich will da nicht schon wieder hin. Aber es könnte auch einfach nur eine Erkältung sein, die mir gerade mitteilt, dass ich zum Arzt gehen sollte.

Ich kann morgen früh nicht zum Arzt. Mein Chef hat mir heute den Schlüssel für die Filiale in die Hand gedrückt. Sprich, ich muss zur Arbeit. Und ich will da ja auch hin. Ich mag meine Arbeit (meistens) und ich will auch niemandem im Stich lassen. Wenn ich nicht hingehe, lass ich die Schicht im Stich. Und wenn man nicht zur Arbeit kommt, wird auch immer viel geredet. Ich will nicht, dass man über mich redet.

Wie kann atmen nur so anstrengend sein. Das sollte doch easy von allein klappen, nebenbei. Es tut so weh.